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Mümmelmax

Nachdem meine Nessi am 24. Oktober 1996 verstorben war, wollte ich zwei Kaninchen aus dem Tierheim ein neues Heim bieten. Beim Besuch in Franziskustierheim fanden sich leider keine zwei an, die sichh auf Anhieb erfuhren, und so fuhr ich am Samstag in das Tierheim Süderstrasse. Auf dem Weg dorthin überlegte ich, was ich, wenn es denn mehrere Pärchen geben würde, an Farbe wählen würde. Da Nessi thüringer war und Peter, das Häschen davor, blau, kam ich auf schwarz und weiss. Aber mir war wichtiger, zwei zu nehmen, die sich kannten und mochten.

Im Kleintierhaus zeigte sich dann schnell, dass es nur ein Pärchen gab, das bereits zusammen saß. Und diese beiden waren schwarz und weiß!

Wie ich erfuhr, sind sie auch erst am Donnerstag zusammen eingeliefert worden. Es gab auch keine weiteren Infos über sie.
Bei der Vertragsunterzeichnung habe ich dann erfahren, dass Hoppeldipops sogenannte "Elefantenzähne" hat und ich bekam sie umsonst. Für Mümmelmax habe ich 20 Euro bezahlt.

Bei mir zuhause liess Max dann Hoppeldipops den Vortritt. Er war immer ein wenig schüchtern und eher der ruhige Typ. Er war aber absolut lieb.

Als dann Benjamin als Blümchen zu uns kam, fand Max das nicht so toll. Der Kleine sollte weg, Max versuchte das durchzusetzen, aber es klappte nicht. Vielmehr schien mir die beste Lösung des Dauerjagens und gar nicht befreundet sein, die drei räumlich zu trennen. Max und Popsi zogen in Flur und Küche und Benjamin/Blümchen durfte im Wohnzimmer leben. 

Im Mai 2001 war der Mümmelmax dann irgendwie noch ruhiger als sonst. Erst am zweiten Tag kam mir das merkwürdig vor. Ich nahm ihn hoch und entdeckte, dass der Genitalbereich total verändert, wie aufgequollen wirkte. Ich nahm ihn mit zum Tierarzt, der sehr nahe an meinem Arbeitsplatz ist. Dort bat ich, ihn zu untersuchen und alles nötige zu tun. Leider mußte ich zur Arbeit, hinterliess aber meine Telefonnummer.
Es war allerhöchste Not, denn was Max quälte, war ein pistaziengroßer Blasenstein, der bereits die Harnröhre heruntergewandert war und diese dabei zerstört hatte. Was mußte mein armer Mümmelmax gelitten haben! Es tat und tut mir sehr, sehr leid, das nicht früher bemerkt zu haben.

Max überstand die OP und bekam eine neue Harnröhre, die zunächst mit einem kleinen Schlauch versehen war. Es blieb zu hoffen, dass Max fressen und die Harnröhre (die ja komplett neu gmacht war) nach Entfernen des Schlauches nicht wieder zuwachsen würde.

Mümmelmax hat all seine Chancen voll ausgenutzt: Die 50/50-Chance, dass er die OP übrsteht, er hat auch danach sich super berappelt und wieder gefressen und auch die neue Harnröhre blieb, wie sie sein sollte.Ich glaub, es war sein Glück, dass der operierende Tierarzt Fachtierarzt für Chirurgie ist.

Nachdem die OP und alle ihre Nebenwirkungen gut überstanden waren, hat Max sich verändert. Er wurde viel munter, manchmal sogar ein wenig keck! Ein noch süßerer Fraatz war er nun.

Als Gretchen dann zu Benjamin zog, zeigte Max sein wahres Gesicht als Charmeur. Wie sich auch später immer wieder zeigte, durfte zu ihm (und Hoppeldipops) kommen, wer wollte- solang es ein weibliches Kaninchen war. Selbst im Stall durfte gefuttert werden, das gab es keinen Neid, eher eine großzügige Gastfreundschaft. Sie durfte immer kommen, der Geruch von Benjamin störte ihn nicht, er war immer lieb mit ihr.
Und auch, als Gretchen verstorben und Emilie ihren Platz einnahm, war Max der Charmeur. Ganz anders als Benjamin, der Emilie nicht duldete, dass sie auf dem Sofa groß Teile des Tages verbrachte, liess Max sie in seinen Stall, beschnupperte sie freundlich und akzeptierte sie. Ich hatte kurz den Gedanken, Emilie den Streß mit Benjamin zu ersparen und sie bei Max und Popsi zu lassen.
Aber dann wäre Benjamin ja wieder alleine, und das sollte ja nicht sein. Ein fünftes Kaninchen wollte ich auch nicht. Also mußte Emilie von ihrem Kurztrip zurück ins Wohnzimmer.

Im April 2003 erkrankte Hoppeldipops. Nach einer OP kam sie einäugig zurück, das war wieder kein Problem für Max. Er war unverändert lieb mit ihr.
Aber die OP half nichts. Hoppeldipops mußte über die Brücke gehen und Max war allein.
Zeitgleich mit Hoppeldipops' Erkrankung hatte Max einen vereiterten Schneidezahn. Er bekam Cleorobe, ein Antibiotikum, was ihm sehr auf die Verdauung schlug und aufgasen liess. Eine Wirkung auf den Eiter konnten wir leider auch nicht erkennen. Auch mit Medikamenten liess sich der Aufgasung nicht Herr werden. Und so wechselten wir von dem sehr guten Not-TA, der Hoppeldipops am Ostersonntag operiert hatte, zurück zu meinem Haustierarzt. Der setzte alle Medikamente ab und liess mich Mundspüllösung kaufen. Einmal täglich sollte ich den Eiter aus dem Zahnfach drücken und mit Mundspüllösung des Zahnfleisch betupfen.

Mümmelmax trauerte sehr um Hoppeldipops. Er kannte keine Alleinsein und kam damit auch gar nicht zurecht. Ein Umzug ins Wohnzimmer mit Sichtkonntakt zu Benjamin und Emilie half auch nicht.
Im Kaninchenforum.com wurde ich dann ermuntert, dem nicht mehr ganz jungen Max eine neue Partnerin dazuzugesellen. Das war auch gut so, denn ab dem Tag, wo Fenja hier einzog, war Max wieder munter und aufmerksam.
 
Das Zusammenleben mit den beiden Kaninchenpaaren Max/Fenja und Benjamin/Emilie erwies sich als sehr anstrengend. Da insbesondere die beiden Böcke nie ihre Rangordnungsstreitereien austragen konnten, lief es jetzt unter dem Motto "Chef ist, wer am meisten pisst"- und das an der Reviergrenze, der Wohnzimmertür. Das bedeutet, dass ich mehrmals täglich wischen und fegen konnte. Kaum war alles sauber und trocken, wurde "nachgelegt". Und so beschloss ich, die beiden Pärchen zusammenzuführen.

Ich tat alles, was sich in bekanntem Revier machen lässt: Ein neuer Teppich ging von Flur ins Wohnzimmer und es gab viele Verstecke und Leckereien.

Benjamin uns Max gingen sofort aufeinander los und es flog viel Fell und es gab einige Bisswunden. Es kam nie wirklich Ruhe in die Gruppe. Immer, wenn es grade ruhig war, kam Max auf die Idee, dem körperlich deutlich überlegenem Benjamin noch einmal zu  zeigen, was für ein toller Kerl er doch sei. Er bekam dann eins auf die Löffel und zog sich zurück. Oft hopste er mit stolz erhobener Blume demonstrativ vor Benjamin entlang. Aber immer wies ihn Benjamin in seine Grenzen zurück.
Noch bevor das friedlich wurde, wurde Max sehr ruhig und setzte sich sehr viel zu mir aufs Sofa. Er erschien mir krank, doch ein besuch beim Tierarzt ergab nichts. Ich hatte den Eindruck, mit dem Kiefer sei etwas nicht in Ordnung, aber der TA fand nichts.

Erst drei Tage später bestätigte sich, was ich schon geahnt hatte: Mümmelmax hatte einen Unterkieferabszeß. Er kam noch in den OP und es zeigte sich, dass der Kiefer vom Eiter aufgetrieben war. Ich habe meinen kleinen Max neben seiner Hoppeldipops beerdigt.

Er war ein ganz toller Hasenmann.