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Kira
 
Kira ist ein Scheidungsopfer. Die tierliebende Mutter hatte neben Kindern und Ehemann auch Kaninchen und Meerschweinchen in der Wohnung hinterlassen. Die Tochter mochte zwar Kleintiere, war aber mit  der Menge an Tieren allein überfordert. So kam Kira aus Duisburg zu mir nach Hamburg.
 
Sie war in der Pflegestelle kastriert worden, daher hatte ich wenig Bedenken, was die Zusammenführung mit Benjamin, Emilie und Fenja anging. Schließlich waren alle kastriert und ein verminderter Hormonspiegel liess mich hoffen, dass die Reibereien sich gering hielten.
 
Falsch gedacht! Meine Weiber waren wenig begeistert über den Familienzuwachs. Fenja gab Gas und stürmte hinter Kira her. Kira fand nur Ruhe auf dem Sofa- wie einst Emilie.
Dort lebte Kira nun zunächst. Ein Kaninchen auf dem Sofa ist ja an sich nichts schlimmes- aber dass sie sich nicht mal  zum Klo runtertraute, führte zuerst zu nassen Sofaflecken, dann zu Inkontinanzlaken auf dem Sofa und letztendlich zu Toiletten auf dem Sofa.
 
Aber sie rafften sich doch noch zusammen. Ein Kurzurlaub bei einer Freundin, verbunden mit 1,5 Stunden Fahrt und gemeinsamen Aufenthalt in der Fremde, schweißte sie zusammen. Es wurde gekuschelt und sich gegenseitig geputzt und ich war froh, endlich eine Bande zu haben, die Freunde waren.
 
 
       Natürlich hat Kira nichts abbekommen von Grünkohl und Co!
 
Aber auch Kira blieb nicht verschont von Krankheit. Wieder mal am Wochenende zeigte sich, dass Kira nicht in Ordnung war. Also ab zum Tierarzt, der in meiner Abwesenheit die dicke Stelle am Unterkiefer punktierte, um festzusstellen, ob es sich dabei um einen Abszess handelte oder nicht. Kira schrie. Ich hörte es, obwohl sie in einem anderen Raum war.
Abszess,  lautete die Diagnose, und sie sollte Baytril bekommen. Spülen sei nicht notwendig und  auch sonst nichts. Das gefiel mir nicht und so stellte ich sie am Sonntag in einer Notsprechstunde bei einem anderen Tierarzt vor. Der hielt es für nötig, den Abszess zu spalten, wollte das aber nicht mehr am selben Tag tun, bot mir dafür einen Termin am Montag um acht Uhr morgens an. Er erklärte mir noch kurz, sie würden eine Methode verwenden, bei der nach der Öffnung und Spülung des Abszesses die Wundhöhle mit Calciumhydroxid gefüllt werden würde. Mir war diese Methode nicht unbekannt  und so schwankte ich hin und her. Sollte ich diesen "fremden" Ärzten und der  neuen Methode vertrauen oder lieber zu meinem Haustierarzt  mit Kira gehen?
 
Am liebsten wäre mir die neue Therapie und eine OP bei meinem TA gewesen. Aber ob das möglich sein würde, könnte ich erst erfahren nach dem Termin Montag früh.
 
Ich entschied mich für die neue Therapie.
 
Mein Freund  holte Kira ab, ich konnte wegen meiner Arbeitszeit nur mit den Ärzten telefonisch sprechen. Die OP sei gut verlaufen und Kira hätte nun für eine Weile das Calciumhydroxid in der Abzesshöhle. Die  Zähne seien alle festt, obwohl  an dem einen seitlich Eiter austrete. Bei mir schrillten alle Alarmglocken, war mir doch eigentlich klar, dass Eiterherde immer entfernt werden müssen. Um mich zu informieren, ging ich zu meinem Haustierarzt, bzw. dessen Assistentin. Sie kannte die Calciumhydroxidtherapie nicht,  fand aber, dass das  ganz gut klänge. Bis ich zu dem Punkt mit dem eiter am Zahn kam. Sehr vorsichtig schloss sie sic meiner Meinung an, wollte aber nichts definitives sagen, ohne Kira gesehen zu haben.
So nahm ich Kira aus der Behandlung der operierenden Ärzte raus und brachte sie in die andere Praxis. Der Zahn eiterte vor sich hin, und sofern keine Besserung einträte, sollte Kira erneut operiert werden und der Zahn entfernt werden.
So kam es auch. Freitag früh wurde Kira ein Zahn entfernt und das Calciumhydroxid dazu. Es gab ein Loch durch den Kiefer, ausgehend vom eiternden Zahn, bis durch den Unterkiefer durch. Wir haben das ganz klassisch mit Antibiotikagabe und Spülen mit Wasserstoffperoxid behandelt.
Das  Loch ging langsam zu und Kira fraß besser.
 
Im August 2004 kam sie zu mir und im November des selben Jahres ging ihr Leben schon zu Ende. Sie war samstags ein wenig matt, aber am Sonntag war eindeutig ein Tierarztbesuch fällig. Der Nottierarzt stellte Untertemperatur fest, Eiter war im Maul zu sehen und auch das Röntgenbild zeigte nichts Gutes: Kira war aufgegast. Ich sollte Rotlicht anbieten, zufüttern und wenn sie den heutigen Tag überleben würde, hätte sie gute Chancen. Ich konnte das gar nicht wahrhaben, eben war Kira doch noch fit und gesund...
 
Kira mochte nichts essen und wurde immer matter. Gegen Mitternacht habe ich noch versucht, ihren Kreislauf durch Hoppeln anzukurbeln. Aber es ging nicht, sie wollte nicht.
 
Morgens war der Bauch dann ganz hart. Der Nottierarzt hatte mir Schmerzmittel mitgegeben, und am Telefon erfuhr ich die Dosis, die Kira bekommen durfte. Es gab nichts, was  ich für sie tun konnte, außer,  ihr die Schmerzen zu nehmen.
 
Eine Stunde später starb sie.
 
 
Es tut mir so leid, dass ihre gute Zeit hier so kurz war.