Hasenstadt Hamburg
 
Aktuelles
Notkaninchen
Kaninchenchronik
Meine Kaninchen
Galerie
Ern?rung
Kaninchenbauten
Krankheiten
Buchtips
Links
Happy ends
RBB
Impressum
 
 
 
Gretchen
 
Als ich im November 2001 im Tierheim war, wollte ich eigentlich nur nach Hamstern schauen. Ich hatte   ja meine drei Kaninchen Mümmelmax, Hoppeldipops und Benjamin, die getrennt voneinander lebten,  weil Benjamin und Max sich nicht miteinander vertrugen. Hamster gab es zur Zeit keine im Tierheim,   und so schaute ich "nur so" bei den Kaninchen.
Und dann sah ich sie. Gretchen saß in einer der oberen Boxen und sah grantig, mißgelaunt und zickig auf mich herab.
Irgendwie hat sie mich gefesselt. Über eine Stunde lungerte ich im Tierheim rum, überlegte hin und her, was denn wäre, wenn ich sie mitnähme und sie sich auch nicht mit Benjamin vertragen würde. Ein kurzes Gespräch mit den Mitarbeitern dort verriet mir, dass sie bereits einmal vermittelt war und als bissig zurück kam. Gebissen hatte sie dort die Menschen. In einer Weibergruppe im Tierheim kam sie nicht klar und aufgrund eines Bisses oberhalb der Nase war sie einige Zeit auf der Krankenstation gewesen und stand  nun zur Vermittlung frei.
Es musste sein. Gretchen wollte mit.
Und so kam ich statt mit Hamster mit einem bissigen, zickigem Kaninchen nach Hause.
Ganz vorsichtig setzte ich sie mit Karton in den schnell vorbereiteten Käfig, damit sie sich nicht provoziert fühlte.
 
Und dann zeigte Gretchen ihr wahres Wesen. Ganz freundlich war sie, fröhlich und einfach ein wundervolles, bezauberndes Wesen.
 
 
Die Zusammenführung mit Benjamin verlief unspektakulär. Ein wenig hintereinander her Gehopse, Benjamin war sehr interessiert an ihr. Am selben Tag hat er sie berammelt und gut war es.
 
 
Sie hatten eine wundervolle Zeit. Benjamin lebte auf und wurde deutlich munterer. Gretchen bekam ganz weiches und glänzendes Fell. Zusammen haben sie viel angestellt und viel gekuschelt.
 
Hier giert sie zwar sehr süß, hat aber dennoch nie etwas nicht artgerechtes gefuttert!
 
Am 12. August 2001 war mittags die Welt noch in Ordnung.
Nachmittags fiel mir dann auf, dass sie zu ruhig war. Als es nicht besser wurde, bin ich mit ihr zum tierärztlichen Notdienst gefahren. Nach endloser Wartezeit diagnostizierte der Tierarzt eine Blasenentzündung und befand die Zähne für gut.
Keine 24 Stunden später waren deutlich Zahnspitzen an den Backenzähnen und die Blasenentzündung nicht auffindbar- trotzdem ich die verordneten Medikamente nicht gegeben hatte. Der Dreck auf dem Behandlungstisch hatte mich an dem Ergebnis des Teststreifens zweifeln lassen.
 
Die kleine Maus hatte arge Verdaungstörungen. Der Darm war aufgegast und sie mochte nicht fressen.
Es begannen traurige Wochen. Gretchen mochte nichts essen, egal, was  ihr angeboten wurde. Ein Auge begann zu tränen und es kamen Lungenentzündungen. Die Nase war dicht von dickem Schleim. Sie bekam keine Luft und begann, durch den Mund zu atmen.
Sie war nie länger als ein paar Stunden allein. Entweder mein Freund, eine gute Freundin oder ich kamen und haben ihr das Näschen gereinigt, sie von diesem Schnodder befreit. Haben ihr Futter vor die Nase gehalten. Jeden Morgen habe ich frische Kräuter und Gemüse gekauft. Endlos viele Sorten Babygläschen wanderten auf ihr Tellerchen. Trotzdem baute sie ab, wurde immer dünner und das Fell struppig.
Mitten in dieser Krankenphase fuhr dann auch noch mein Tierarzt in den Urlaub.
Ich wechselte zu einem, bei dem ich früher war und der auch zu Kaninchen nett und bemüht war.
 
Am Dienstag, den 11. September 2001, entdeckten wir abends, dass aus dem Zahnfach eines oberen Schneidezahnes Eiter kam.
Der Tierarzt,  zu dem wir schnellstens fuhren, vermutete hinter dem gesamten Geschehen einen Abszess im Kopf. Vielleich war es gar kein Schnupfen- Gretchen hatte einen Eiterherd im Schädelknochen, der  sich durchgefressen hatte zu den Atemwegen. So kam es zu den Lungenentzündungen durch   ablaufenden Eiter. Deswegen half auch kein Antibiotikum. Deswegen war der Schnupfen so dolle und wurde nicht besser.
 
Ich durfte noch für eine Weile mit ihr nach Hause fahren, um die Entscheidung zu treffen. Ich hatte den Tag lange gearbeitet, Gretchen wurde tagsüber von meiner Freundin betreut und ich fühlte mich nicht in der Lage, spontan über ihr Leben zu entscheiden.
 
Gegen 20 Uhr fuhren wir dann erneut in die Praxis. Wir hatten den Kampf um Gretchen verloren.