Hasenstadt Hamburg
 
Aktuelles
Notkaninchen
Kaninchenchronik
Meine Kaninchen
Galerie
Ern?rung
Kaninchenbauten
Krankheiten
Buchtips
Links
Happy ends
RBB
Impressum

Flikka


Zur Zeit ist Flikka mein größter Sorgenfall. Sie hat mit vielem zu kämpfen. Aber der Reihe nach:
Ich habe Flikka schon vor Wochen im Tierheim entdeckt. Weil hier jedoch einige Pflegetiere wohnten,
deren Aufenthaltsdauer unbestimmt war, hab ich es nicht wirklich in Erwägung gezogen, sie dort rauszuholen.
Aber sie wollte mit, das hab ich gleich gemerkt, und als ich an einem Donnerstag dort war,um nach ihr zu
schauen, hieß es zunächst, sie wäre nicht frei zu Vermittlung. Sie sei so dünn geworden. Sie hat deswegen einen
Napf mit Trockenfutter reingestellt bekommen. Ich überredete die Pflegerin, am nächsten Tag den  Tierarzt davon
zu überzeugen, dass sie privat viel besser zu päppeln sei.
Alternativ dürfte ich Heupellets und Trockengemüse vorbeibringen, damit sie zunähme.

Anscheinend war ich überzeugend genug, denn am 25.2.05 durfte ich Flikka abholen!

Nachmittags ging es gleich zu meinem Tierarzt, und die Untersuchung ergab wenig Gutes.

Flikkas Gewicht bei Einlieferung ins TH betrug 1,7kg. An diesem Tag wog sie nur 1,25kg. Ein unterer
Schneidezahn eiterte. Im Bauch war eine große, unregelmäßige Verdickung. Die Nase schnupfte.
Ein Ohr ist vernarbt, wohl von ihrer ehemaligen Mitinsassin- die übrigens nicht mehr lebt.

Zuhause zeigte sich dann noch Durchfall, der erbärmlich stank, abwechselnd mit festen kleinen Ködeln.
Wenn sie hoppelte, donnerte es bei jedem Hopser. Und es zeigte sich auch, warum sie trotz des Schnupfens
saubere Vorderpfötchen hatte: Sie konnte überhaupt nicht auf den Hinterpfoten sitzen, um sich zu putzen.
Sie konnte nur eine Pfote zur Zeit hochnehmen. Trotzdem geben wir nicht auf. Jetzt wird um sie gekämpft!

Flikkas Tagebuch

25.2.05
Flikka verläßt das Tierheim nach 10 Monaten und zieht bei mir ein. Sie bekommt zunächst den 120er Käfig
im Schlafzimmer, um kein anderes Kaninchen mit Schnupfen anzustecken. Nachmittags geht es zum Tierarzt.
Festgestellt wird dort Eiter an einem unteren Schneidezahn, eine Verdickung im Bauch und der Magen ist sehr
gefüllt. Außerdem hat sie Schnupfen, ein Ohr ist kaputt und sie ist stark untergewichtig.
Sie soll nichts fressen, nur trinken und am nächsten Tag vorgestellt werden.
Es komt mir verkehrt vor, dennoch entziehe ich ihr sämtliches Futter, auch Heu.

 
 
26.2.05
Der Magen ist nun leerer und das Dicke im Bauch unverändert. Flikka darf wieder futtern.
Sie frißt geriebene Möhren und Apfel, außerdem noch 16 eingeweichte Vita special senior Kuller.
In der Nacht dann nur ganz wenig Möhrenkraut. Sie bekommt keine Medikamente, nur Echinacea
Kindersaft zur Stärkung der allgemeinen Abwehrkräfte.
 
 
 
27.2.05
Flikka ist sehr ruhig, fast aphatisch. Sie sitzt die ganze Zeit in ihrem Haus. Ich nehme sie mit ins Wohnzimmer
Ich hab ihr ein wenig Critical Care zugefüttert und im WZ laufen lassen. Die Arme kann gar nicht richtig hoppeln.
  Sie ist aber sehr aufmerksam, putzt sich, soweit es geht und ködelt ganz viele kleine unrunde Kügelchen. Vieles ist
darin nicht verdaut! Teilweise sind da richtige Getreidekörner drin  und auch das Heu ist manchmal faserig dabei,
dass ich zuerst dachte, es wären Haarketten.Sie futtert regelmäßg eigeweichte Kuller, Möhrenbrei, einige wenige
Spitzen vom Möhrenkraut, eben sogar Kerbel (steht mit Topf da). Trinken tut sie auch. Pieseln tut sie, ködeln auch,
echt viel, und allmählich sind die Kügelchen sogar rund. Sie hopst hin und her, immer wieder mal, gern zu den
anderen ans Gitter (habe jetzt aber ein Käfiggitter vors Gitter gestellt, damits kein direkten Kontakt gibt) und hat sich
 auch über die Beine meines Schreibtischstuhles gekämpft. Sie hat so wenig Muskulatur, dass jeder Hopser knallt und solche Beine (siehe Foto) schon ein Hindernis sind.
Ich muss echt den Hut ziehen vor ihr, sie macht sich so gut! Mehr kann man unter diesen Umständen nicht erwarten (leider)!
 
 
 
28.2.05
Flikka hat heute tagsüber ca 20 Kuller gefuttert (senior und regular, also große). Die frißt sie immerhin alleine. Ist aber recht wenig, wie ich finde. CC mag sie auch nicht in Massen. Ich geb ihr aber immerhin wenig davon, damit der Darm Rohfaser hat. Sie ködelt weiterhin viel, auch Blinddarmkot. Den frißt sie nicht oder sie hat zuviel davon. 
Sie nimmt wenig Möhrenkraut, geriebenen Apfel und eben weiche Kuller.
Sie mag nicht: Dill, Petersilie, Basilikum, Thymian, div. Trockenkräuter, Apfel, Birne, Pastinake, Fenchel, Haferflocken, TroGem....
1.3.05
Heute morgen fiel mir auf, dass der Unterkiefer deutlich verdickt ist. Vorn, wo der Zahn eiterte. Also abends zum TA
und der hat das MASSEN!!! von superstinkendem Eiter rausgeholt. Richtig viel. Flikka wollte sich wehren, konnte gar
nicht richtig, weil sie zu schwach ist. Diagnose Abszeß. Flikka war nach dieser Prozedur total erschöpft.
Sie wird jetzt mit Penicillin behandelt: Genauer mit  Penicillin G benzathine und Penicillin G procain. Das bedeutet,
jeden zweiten Tag eine Spritze und vorerst täglich spülen. Genauere Infos findest du hier. Trotzdem hat sie seit Samstag
150-200g zugenommen! Und sie ist munter! Sie hopst mit ihren donnernden Hopsern durch die Gegend. Sie futtert
weiche Kuller. Beim TA schaute sie neugierig aus der Box. Wieder hat sie abwechselnd matschigen Kot, der den
After richtig zuklebt, und normale, feste Ködel.
 
2.3.05
 
Heute mochte die kleine Maus nichts essen.  Jedenfalls nicht von selbst. Dafür war sie heute abend sehr interessiert an der Spritze mit CC und Möhrenbrei- hat sogar in den Gumminippel vorn gebissen. Ich massiere ihr Bäuchlein, das mag sie.
Aber nach der Massage ist sie noch wackeliger als sonst suf den Beinen!
 
3.3.05
Heute ist sie ganz hungrig und frißt und frißt.... richtig mit Krauthalme aus der Vase ziehen... heute nacht hatte sie keine
 Kuller gefuttert, dafür aber Broccoli. Nun mag sie auch Ruccola gern. Wegen des Torkelns gestern  bekommt Flikka
 Vitamin B. Jedoch sagt der TA klipp und klar, dass das nur kurzfristig sinnvoll sei, weil sie auch selbst "funktionieren"
muß. Man kann nicht alles ersetzen.
 
6.3.05
Sie mag gern Ruccola, und TroGem frißt sie jetzt auch. Beim Spülen heute Mittag kam kein Eiter!! Dazu gibts weiterhin CC und Echinacea. Letzteres ist weiterhin ihr liebstes! Aber sie frißt jetzt auch Heupellets und Möhre in kleine Würfel geschnitten. Sie
hüpft über Näpfe- das konnte sie bisher nicht.
 
 
 
7.3.05
Heute mag sie Ruccola, weiche Kuller , TroGem und Apfel essen. Den frißt sie jetzt vom Stück.
Es kommt kein Eiter mehr beim Spülen.
 
10.3.05
Flikka frißt jetzt ganz viele verschiedene Sachen, wenn leider auch nicht in Mengen, die ich mir erhoffe, als da wären:
Haferflocken, TroGem, Broccoli, Ruccola, Kraut, Apfel und Sellerie von großen Stück, Pastinaken und Möhre kleingeschnitten, Heupellets, Kuller (senior und junior). Sie hat auch schon Knospen von Haselnußzweigen geknabbert.
 Sie kann sich jetzt ganz gut putzen: hinsetzen, auf die Hinterpfoten und mit den Vorderpfötchen das Gesicht putzen. Ganz toll macht sie das. Sie hing dabei zwar ein bißchen niedriger als meine anderen, aber schon viel höher als neulich. Und am Öhrchren kratzen geht auch, wenn auch wackelig.
 
 
 
13.3.05
Flikka wird frech und beißt mir in den Daumen, dass es blutet!
 
15.3.05
Auf Anraten der Assistanzärztin bekommt Flikka jetzt Möhrchenbrei mit Schmelzflocken. Flikka nimmt das gern an.
Bis auf weiteres bekommt sie zwei mal täglich einen Eßlöffel Brei mit Flocken, teilweise auch mit CC oder
Heubröseln vermischt. Des weiteren gibt es zweimal am Tag Gemüse (Sellerie, Kohlrabiblatt, Pastnake, Möhre-die
sie nicht nimmt und Ruccola). Heupellets immer, die nimmt sie auch gut. Keine Massen, aber immer wieder welche.
Haferflocken und TroGem streue ich übers Heu. Leider ignoriert sie das. Will mit Heu nix zu tun haben. Noch. Heute
hatte sie Besuch und hat sich ganz lange bespaßen lassen. Heuhalme hingehalten durchbeißen, nach TroGem gieren,
in Finger und Schuhe beißen wollen, streicheln lassen. Sie ist echt munter, hat es richtig genossen, im Mittelpunkt zu stehen.
Sie macht sich echt toll. Jeden Tag ein kleiner Fortschritt.
Und sie mag richtig gern kleine Weintrauben, hat essen als Genuß für sich entdeckt.
 
 
 
19.3.05
Wenn ich kleine Heustücke in Möhrenbrei mit Schmezflocken "dippe", nimmt Flikka sie an. Nur wenige spuckt sie wieder aus. Außerdem frißt sie Ruccola, Heupellets, Kohlrabiblätter, Apfel und Pastinake.
 
22.3.05
Flikka geht es gut und sie ist sehr munter. Sie futtert Heupellets, Apfel, Ruccola, Pastinaken, Möhren und zum Päppeln
einen Brei aus Möhrenbrei (Gläschen), Schmelzflocken und CC. Als Leckerlie gibts Weintrauben (die kleinen süßen
ohne Kerne) und ihre Lieblingsmedizin, Echinacea Kindersaft (aber nur noch 1 Woche). Ihre Ködel sind klein, sehr dunkel
und rund.
Sie kann sich jetzt auf die Hinterpfoten setzen und mit den Vorderpfötchen sich putzen, Männchen machen (kurz) und geht allmählich aufs Klo (statt aufs Handtuch mit Zeitung drunter zu pieschern). Sie kommt manchmal, wenn ich sie rufe. Sie ist aus ihrer Transportbox oben rausgehüpft.
Heute war sie beim TA und wurde mit Kontrastmittel geröngt. Es ergab, dass sie einen Megacolon hat- eine Verdickung, Verbreiterung des Dickdarms. Und das ist auch das, was zu tasten ist. Nach außen muß da allerdings noch was dranhängen.
Der Darm ist aber gut durchgängig.
Außerdem wurde Blut abgenommen und es wird auf E.C. getestet. Evt hängt ihr Nicht-zunehmen damit zusammen.
 
Und so sahen ihre Ködel ein paar Tage nach dem Kontratröntgen aus:
 
 
 
24.3.05
Das Ergebnis der Bluntersuchung ist da. Flikka hat einen deutlichen Befall mit Encephalitozoon cuniculi.
Sie bekommt für fünf Tage Cortison und AB. Dazu Panacur für (geplante) vier Wochen. Um Streß zu vermeiden und
weil Ostern ist, spritze ich es selber.
 
28.3.05
Endlich ist die letzte Spritze gesetzt.Flikka fand das gar nicht so gut, trotzdem hat sie artig stillgehalten.
Das Panacur bekommt sie auf ihren Päppelbrei- da nimmt sie es einfach mit ins Mäulchen.
 
 
30.3.05
Flikka hat sich an den von mir unbemerkt gefutterten Vita special Kullern wohl etwas überfressen.
Einen ganzen Tag und Abend über hat sie danach quasi nichts gefuttert.
 
31.3.05
 
Flikka drückt den Rücken durch, es sieht aus, als ob sie dringend etwas absetzen müßte, aber nicht kann.
Sie wirkt ruhiger, matter, ist nicht so fröhlich wie sonst.
 
2.4.05
 
Flikka ist wie zurückverwandelt fröhlich und munter. Sie kommt, wenn sie gerufen wird,
hat guten Appetit und beißt auch wieder gern in Finger.
 
3.4.05
 
Fenja ist in meiner Abwesenheit aus dem Gehege gehüpft. Die Konfrontation mit Flikka muß kurz
gewesen sein, denn es liegen nur wenige Haare auf dem Teppich, Fenja sitzt verschreckt in einer Ecke,
hat entgegen ihrer Gefräßigkeit Flikkas Gemüse nicht angerührt. Flikka schaut vergnügt aus ihrem
offenen Kaninchenknast.
 
25.4.05
 
Meine kleine großartige Flikka lebt jetzt hinter der Regenbogenbrücke.
 
Wie es dazu kam?
Genau genommen frage ich mich das auch immernoch.
Am Freitag, den 22. April verließ ich um 20 Uhr das Haus. Da war sie noch die gute Flikka,
die ich kannte. Etwa eine Stunde später erreichte mich ein Anruf meines Freundes, dass Flikka
nur noch über den Teppich robben würde. Hinten sei sie lahm. Natürlich sind wir sofort zum
Tierarzt gefahren. Der röntge und stellte ein Veränderung der Wirbelsäule fest. Flikka bekam
abschwellende Medikamente und sollte zu Hause ruhig gestellt werden. Sie war eher irritiert
als dass sie krank wirkte.
Weil es am Samstag nicht besser wurde, fuhren wir in eine Klinik, die sich auf Wirbelsäulen-
verletzungen spezialisiert hat. Dort wurde mir nicht viel Hoffnung gemacht. Trotzdem wurde
sie stationär aufgenommen und der Chirurg sollte später über eine mögliche Operation
 entscheiden. Leider wurde auch bei einer OP keine Besserung vermutet.
 
Am Montag, den 25. April 2005, kam morgens dann die schlechte Nachricht: Flikkas Zustand
hat sich verschlechtert. Sie hat die Kontrolle über Harn und Urin verloren. Trotzdem mir davon
abgeraten wird, hole ich Flikka ab und fahre mit ihr zu meinem Haustierarzt. Dort wurde viel für
sie getan, sie ist etwas besonderes und es ist auch bekannt, dass ich viel bereit bin zu tun und 
auch  zu bezahlen, sofern das Tier nicht leidet. Außerdem habe ich die Gewißheit, dass auch
 ein Kaninchen als Patient ernst genommen wird und alles getan wird, solang es nicht leidet.
Kein Tier wird am Leben erhalten, nur um dem Besitzer die Trennung zu ersparen.
 
 
Ihre Verletzung war zu stark. Das Rückenmark wurde nicht nur durch einen Bluterguß
gequetscht, sondern auch durch die verschobene Bandscheibe. Sie hatte gar keine Chance.
 
Und so starb Flikka. Viel zu früh und viel zu munter.
Sie hatte die matten Tage hinter sich.
 
Tschüß, meine Süße!