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Chronik der Hasenstadt

Mein Name ist Anne, ich bin 32 Jahre alt und eine waschechte Hamburgerin. Seit meinem 8. Lebensjahr habe ich Kaninchen und kann die kurzen Zeiten "ohne" nur als die schlechtesten meines Lebens bezeichnen. Kaninchen sind halt mein Ein und Alles :)) Und wie es sich so lebt mit meinen Kaninchen, will ich auch verraten.

Anno 2002 waren meine vier tagsüber alleine, ein Pärchen durfte in Flur und Küche sein Unwesen treiben, das andere mußte  derweil ein einem 120er Käfig auf meine Rückkehr warten. Das war zum Glück nicht allzulange, denn ich arbeite nur 3/ 4tags in meiner Nähe, habe also keine langen Fahrzeiten.

Max und Popsi lebten seit 1996 bei mir. Sie waren schwarz bzw weiß mit blauen Augen. Sie waren ein echtes Ehepaar, sie stritten und liebten sich, immer schön im Wechsel, mal fing der eine an und mal der andere. Das war schon so, seit sie aus dem Tierheim zu mir kamen.

Benjamin kam im Mai 1998 dazu, allerdings als "Blümchen". Nach einigen Streitereien enttarnte "sie" sich dann als Herr, und so wurde aus Blümchen ein Benjamin Blümchen. Was ich an ihm besonders schön finde ist, dass ich seine Herkunft kenne-die Mutter, Geschwister aus demselben und vorigen Wurf, Oma und Tante persönlich sowie Vater und Großvater aus Erzählungen. Er entstammt einer Hobbyvermehrung- etwas, was ich heute nicht mehr unterstützen würde. Aber nun ist er da und der beste Benjamin der Welt! 

Im Jahr 2001 hat es mich dann wieder einmal ins Tierheim verschlagen. Dort saß in einer Box eine kleine graue Häsin, die mich überredete, sie mitzunehmen. Sie sah im zickig auf mich herab, wirkte grantig und uninteressiert. Eigentlich neige ich überhaupt nicht dazu, spontan Tiere anzuschaffen Aber Gretchen sollte es sein. Die Leute dort erzählten mir, sie sei bereits einmal vermittelt und als agressiv zurückgekommen. Außerdem sei sie im Heim von anderen Weibchen verbissen worden. In der Bissigkeit sah ich kein Problem, und da es ja Weibchen waren, die Probleme mit ihr hatten, sollte sie Benjamins Freundin werden. Ich wollte ihr dafür alle Zeit geben, die sie brauchte.Vorsichtig habe ich sie mit dem Karton (eine Transportbox hatte ich ja nicht mit) in ihren Käfig gesetzt. Ich wollte sie ja nicht reizen oder einen Grund geben, aggressiv zu sein. Auslauf bekam sie dann erstmal alleine. Sie sollte sich erst einmal in Ruhe einleben. Doch davon hielt Gretchen nichts. Sie wollte dabei sein. Auf dem Sofa, mit in den Flur, überall ist sie hinterhergehoppelt. Sie war nicht aggressiv, sie war ein Sonnenschein. Sie war mit Benjamin ein absolutes Traumpaar. Sie schliefen nebeneinander, gegeneinander gelehnt, damit keiner umkippt. Einfach zu süß. Dann wurde Gretchen krank. Wir haben alles versucht, sie über fünf Wochen gepäppelt, sie bei zwei TAs vorgestellt, mit einem weiteren telefoniert und im TH nach Tips gefragt. Es war aber einfach nichts zu machen. Sie war nur elf Monate hier, und doch hat sie eine Lücke hinterlassen, die kein anderes Häschen füllen kann.

Trotzdem brauchte Benny eine neue Partnerin. Das ist nun Emilie.

Emilie ist ein Wildkaninchenmix und eine wilde Hummel. Sie hat einfach nur Schabernack im Sinn und wenn ihr langweilig ist, merkt man das sofort. Ich habe leider (noch?) keine Möglichkeit für ein Außengehege, das wäre das Beste, besonders für sie.

Es gab noch einen Wechsel. Hoppeldipops ist Ostern 2003 krank geworden. Ein Abszeß im Kopf, der sich im Maul und am Auge zeigte, konnte nicht entfernt werden. Dabei war sie die tapferste Hasendame der Welt. Überhaupt ein wundervolles Tier. Nach reiflicher Überlegung habe ich dann Fenja dazugeholt. Mümmelmax sollte trotz seines hohen Alters nicht allein bleiben. Die Zusammenführung klappte auch auf Anhieb. Nach 24 Stunden waren sie ein Paar. Mit ihr hat er seinen zweiten Frühling erlebt. Er wurde wieder munter, fröhlich und futterte gut. Ich bin sehr froh, daß mich viele im Kaninchenforum.com ermuntert haben, wieder eine Hasendame zu holen.
Und für Fenja war Max der beste Kaninchenmann der Welt. Sie war zuerst sehr ängstlich und reagierte panisch, wenn ich sie nur festhalten wollte. Max zeigte ihr, dass Menschen nett sind und man Gutes von ihnen erwarten kann. Langsam entwickelte sie Vertrauen und jetzt läßt sie sich hochnehmen, festhalten, Krallen schneiden oder was eben sein muß.

Nach einer Weile entwickelten sich die Teams Mümmelmax/Fenja und Benjamin/Emilie einen neuen Sport, der "Wettpinkeln" heißt. Wer am meisten pinkelt, ist Chef. Austragungsort dieser reichlich unangenehmen Disziplin war die Wohnzimmertür, welche den Übergang zu beiden Revieren markiert. Es war wirklich echt *pfui*. Und so entschloss ich mich, dem ganzen Spiel ein Ende zu setzen. Nach guter Vorbereitung- der versiffte Wohnzimmerteppich kam raus, dafür ein langer Läufer in Form eines Teppichrestes von Flur bis ins Wohnzimmer rein, viele Kartons und Pappröhren zum Verstecken, Kräutertöpfe, mehrere Heuplätze und Wasserstellen wurden eingerichtet. Und dann ging die Tür auf.

 

Benny und Max hatten sich flugs am Schlafittchen und kämpften die seit Jahren schwelenden Revieransprüche aus. Benjamin, deutlich jünger und fitter, gewann diesen Kampf. Mümmelmax mochte das jedoch nicht akzeptieren. Immer wieder fiel ihm ein, was für ein toller Kaninchenmann er doch sei und mußte das unbedingt Benny unter die Nase reiben. Er hüpfte mit hoch erhobener Blume vor ihm lang und provozierte so. Das liess sich Benjamin nicht zweimal sagen, ging auf Max los und wies ihn in seine Schranken- bis Max wieder einfiel, was für ein toller Kerl er doch sei.

Fenja und Emilie waren das andere Paar, das aushandeln mußte, wer das sagen hatte. Fenja war sehr ängstlich und so war es bei den beiden schnell klar, Emilie war Chefhäsin.

Noch während der Zusammenführung erkrankte Mümmelmax.
Noch bevor der TA es feststellen konnte, ahnte ich es. Ein Abszeß im Unterkiefer hatte schon den Kieferknochen angegriffen. Auf dem OP-Tisch konnte ihm leider nicht geholfen werden, und so wurde er am 19.3.04 neben seiner Hoppeldipops beerdigt.

 

Nachdem die Gruppe sich an ein Leben ohne Max gewöhnt hatte- sein Fehlen brachte sie ganz schön durcheinander, besonders Emilie war völlig durch den Wind- blieb es bis zum Sommer bei drei Kaninchen.
Dann kam Kira und wieder hatte wir eine heiße Pinkelphase. Bei Kira wurde, kaum dass die einen Monat hier war, ebenfalls ein Kieferabszeß entdeckt. Sie wurde zwei mal operiert und alles schien schön zu heilen. Im Oktober 2004 waren meine vier ein echt tolle Truppe, die viel zusammen kuschelten, jeder mal mit jedem und sie wirkten alle sehr entspannt.
Doch an einem Samstag Ende November wirkte Kira ein wenig ruhiger als sonst. Sonntag morgen klingelten dann die Alarmglocken, es ging zum Not-TA, der auch alles für sie tat. Dennoch wurde sie ruhiger, immer ruhiger. Am Montag, den 24.11.04 und 8 Uhr in der Früh starb sie dann.  

Ich wollte zunächst kein neues Kaninchen. Und so blieb der vierte Platz frei, bis Flikka kam.

Flikka kam als kleines Elendiges Häufchen zu mir. Sie fraß nicht, und auch die tierärztliche Untersuchung.ergab nichts Gutes: Sie war viel zu dünn, der Magen dennnoch mit einer Riesenportion Körnerfutter frisch überfüllt, etwas Hartes war tastbar im Darmbereich, sie schnupfte und die schiefen Schneidezähne unten eiterten. Dazu kam in den nächsten Tagen erbärmlich stinkender Durchfall und bei mir Zuhause eine Apathie, die sich nur legte, wenn eins meiner drei anderen Kaninchen sich zu ihr in  die Quarantäne schlich.Dann gingen die Öhrchen hoch.Sie konnte kaum hoppeln, durch zehn Monate sitzen in einer kleinen Box waren ihre Muskeln soweit abgebaut, daß sie nicht in über die Querstreben unten am Bürostuhl hüpfen konnte.
Es war wahrlich  eine Diagnose, bei der ich Schlucken mußte, trotzdem mir vorher bewußt war, dass sie nicht in Ordnung war, als sie mich im Tierheim überredete, sie mitzunehmen. Wenige Tierchen haben das bisher getan, eigentlich nur Gretchen und Flikka, und beide waren echte Glückstreffer trotz ihrer Krankheiten.

Nachdem Flikka ins Wohnzimmer ziehen mußte, um ihre Lebensgeister zu wecken, machte sie Tag für Tag Fortschritte. Jeden Tag gab es irgendwas, was sie besser konnte. Aus ihren kraftlosen, donnernden Hopsern wurde echte Kaninchenhüpfer. Sie entdeckte, daß Futtern keine Qual ist, sondern ein Genuß. Mit Medikamenten hat sie den Abszeß im Unterkiefer überwunden und mit kleinen Tricks auch ein wenig Heu gefuttert. Sie kam auf Zuruf und wurde wirklich fröhlich.
Fenja begann dann schonmal mit der Zusammenführung. Sie überwindete das Gehegegitter und saß dann etwas verschüchtert
im selben Raum wie Flikka. Da Fenja sonst die dominante ist, die keine neuen Weiber duldet, habe ich ihren letzten Ausbruch genutzt, um die anderen dazuzulassen. Große Reibereien gab es nicht. Trotzdem saß Flikka  dann oft abseits, versteckt sich manchmal.

Dann kam es am 22.April 2005 zu ihrem Unfall. In ihrem Lieblingshäuschen sitzend und Fenja davon vertreibend, schoß sie wohl zu schnell vor oder  verdrehte sich im Haus. Als sie kurz darauf aus dem Häuschen kam, waren ihre Hinterbeine gelähmt.
Auch ein sofortiger Besuch bei einem kompetenten Tierarzt und die Überweisung einen Tag später zu einem Wirbelsäulenspezialisten konnte ihr nicht helfen. Flikkas Wirbelsäule  hatte sich verschoben und eine Heilung war unmöglich.

So starb Flikka am 25.April 2005 bei meinem Haustierarzt. Natürlich war sie nicht allein.
Sie war dabei guter Dinge und einfach die Flikka, die ich kannte und liebte. Es tat ihr nichts weh, sie konnte nur eben nicht hoppeln- nie mehr. Und so durfte sie gehen,  solange sie munter war. Gelitten hatte sie genug.

Ich vermisse sie sehr.


 

Bunny up

Anne